BILD im Knast der Taliban – „Wir werden die Leute zu Hinrichtungen einladen“ – Politik Ausland

Der Weg in das Gefängnis, in dem einst Tausende Taliban-Kämpfer eingesperrt waren, führt durch belebte Straßen mitten in Kabul.

Nur ein Checkpoint mit schwer bewaffneten Taliban-Kämpfern weist noch darauf hin, dass hier, im berüchtigten Pul-e-Charkhi-Gefängnis einst diejenigen bestraft wurden, die es auf die afghanische Regierung und auf westliche Truppen abgesehen hatten.

Darunter: 250 ehemalige Häftlinge aus dem Hochsicherheitsgefängnis Guantanamo, die die USA überstellt hatten.

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Zellen des Pul-e-Charkhi-Gefängnisses in Kabul. Bis vor Kurzem saßen hierVerbrecher und Islamisten ein
Zellen des Pul-e-Charkhi-Gefängnisses in Kabul. Bis vor Kurzem saßen hier Verbrecher und Islamisten einFoto: Giorgos Moutafis

„Wir haben alle freigelassen“, sagt ein Taliban-Kämpfer, „unsere Männer wurden hier gefoltert.“ Ob es stimmt, dass Taliban-Männer in dem Gefängnis misshandelt wurden, ist kaum noch zu überprüfen. Ein Kämpfer zeigt auf seinem Handy Fotos, angeblich von einem Freund, der gefoltert wurde. „Schaut euch das an“, sagt er zu uns.

Dass auch Regierungstruppen Menschen gefoltert haben, gilt als wahrscheinlich, immer wieder gab es dazu auch Berichte von Menschenrechtsorganisationen.

Die Taliban wollen uns die Zellen zeigen. Es liegt ein muffiger Geruch in der Luft, am Boden Dreck, altes Brot, Fliegen.


Taliban-Kommandeur Mawlawi fazel Rahim Mahaz (Mitte, etwas kleiner), ist der neue „Gefängnisdirektor“
Taliban-Kommandeur Mawlawi fazel Rahim Mahaz (Mitte, etwas kleiner), ist der neue „Gefängnisdirektor“Foto: Giorgos Moutafis

Die Taliban haben nicht nur ihre Kämpfer entlassen, sondern auch all diejenigen, die wegen Diebstahl, Raub oder Mord im Gefängnis saßen.

Was ist jetzt mit ihnen? Ein Taliban-Kämpfer sagt: „Wir haben sie gewarnt, was passieren wird, wenn sie noch einmal etwas tun. Sie werden nichts mehr machen. Ab jetzt gilt unser Gesetz.“

Wie das „Gesetz“ der Taliban aussieht, ist auch einen Monat nach der Machtübernahme immer noch unklar. Die Taliban-Spitze hat angekündigt, dass schon bald die Scharia gelten soll. Bislang ist aber noch nichts offiziell in Kraft getreten.


Mit einem erbeuteten amerikanischen Gewehr, Funkgerät und Handschellen um den Bauch geschnallt durchstreift ein Taliban das verwaiste und völlig verdreckte Gefängnis
Mit einem erbeuteten amerikanischen Gewehr, Funkgerät und Handschellen um den Bauch geschnallt, durchstreift ein Taliban das verwaiste und völlig verdreckte GefängnisFoto: Giorgos Moutafis

Gefängnis-Chef Mawlawi sagt zur Frage, was mit Kriminellen künftig passieren wird: „Es wird die Scharia gelten, so wie wir sie kennen: Wenn jemand eine Sünde begeht, ist die Strafe meist, eine Hand abzuschneiden. Wenn die Person einen Ehebruch begeht und keine Frau oder keinen Mann hat, dann gibt es Schläge für sie mit einer Dora (Stock). Wenn sie eine Frau oder einen Mann haben und sie immer noch Ehebruch begehen, dann wird die Strafe der Tod sein. Wir warten jetzt einfach darauf, dass unsere Führer nach unserem heiligen Buch entscheiden.“

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Auch Steinigungen oder Massen-Hinrichtungen vor Publikum, wie einst 1996 in einem Kabuler Stadion, als die Taliban das letzte Mal die Macht übernommen hatten, sind wieder denkbar: „Hinrichtungen würden an einem öffentlichen Ort geschehen, wir würden die Öffentlichkeit dazu einladen“, sagt der Gefängnis-Chef, fast so, als würde er sich darauf freuen.

„Es würde gesagt werden, welche Sünde diese Person begangen hat und was die Strafe dafür ist. Es werden Hunderte oder Tausende Leute um sie versammelt sein.“

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