Judith Butler bezeichnet Hamas-Massaker als „bewaffneten Widerstand“

Als die amerikanische Philosophin und Gendertheoretikerin Judith Butler, die 1956 als Tochter eines ungarisch-russisch-jüdischen Ehepaars in den USA geboren wurde, kurz nach dem 7. Oktober einen Essay in der „London Review of Books“ über die Hamas-Massaker und die Gewalt im Nahen Osten veröffentlichte und den Versuch einer Kontextualisierung dieser unternahm, bekannte sie immerhin, nicht ohne ununterbrochen von der gewaltsamen israelischen „Kolonialherrschaft“ zu sprechen: „Tatsächlich verurteile ich die von der Hamas verübte Gewalt ohne Einschränkung. Es war ein schreckliches und abscheuliches Massaker. Das war meine erste Reaktion, und sie bleibt bestehen.“ 

Die Einschränkung hat sie nun an diesem Sonntag in Pantin, einem der Banlieues von Paris, bei einer Diskussionsrunde des Videopodcasts „Paroles d’Honneur“ doch gemacht. Auf einer seit Montag in den sozialen Medien kursierenden, knapp zweiminütigen Aufnahme der in Berkeley lehrenden Rhetorikprofessorin sieht und hört man, wie sie davon spricht, dass die Hamas-Attacken ein „Aufstand“ gewesen seien, „ein Akt des bewaffneten Widerstands“. Das müsse man so sagen, wenn man „ehrlich und historisch korrekt“ sein will, so Butler.

Gewalt an den Palästinensern

Und weiter: „Es ist kein terroristischer Angriff gewesen, keine antisemitische Attacke, sondern einer gegen Israelis.“ Auch hier schränkt sie mal ganz kurz ein, dass das Ganze für sie beängstigend und schrecklich gewesen sei. Doch wäre sie „ein Narr“, wenn sie nicht auch die an den Palästinensern über Dekaden ausgeübte Gewalt berücksichtigen würde. Hier ein gewalttätiger Unterdrückungsapparat, argumentiert sie weiter, dort eine Situation der Unterwerfung, und ob nun man nun „für oder gegen bewaffneten Widerstand“ sei, „für oder gegen Hamas, aber lasst uns die Sache wenigstens bewaffneten Widerstand nennen.“

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Im Grunde setzte Butler bei dieser von zwei linken jüdischen Organisationen und dem indigen-postkolonialen Videokanal „Paroles d`Honneur“ ausgerichteten Veranstaltung nur die Ausführungen ihres Essays kurz nach dem 7. Oktober fort.

Ich muss mich nicht mit diesem Gesicht oder diesem Namen identifizieren, um die Gräueltaten zu benennen, die ich sehe.

Judith Butler

Um das Verbot der Kontextualisierung ging es darin, um die damit vermeintlich verbundene Relativierung der Hamas-Massaker, (beides unternahm Butler umgehend), um die vor allem von den Medien instrumentalisierte moralische Empörung, die ihr zu kurz greift, die zu oberflächlich ist. All das immer wieder mündend in Sätzen wie diesen: „Wir wollen nur die Geschichte der Gewalt, der Trauer und der Empörung kennen, wie sie von Israelis gelebt wird.“ Oder dass Gräueltaten, meint: die der Israelis, auch an Menschen begangen wurden, „die nicht wie ich sind. Ich muss mich nicht mit diesem Gesicht oder diesem Namen identifizieren, um die Gräueltaten zu benennen, die ich sehe.“

Dass der Zeitpunkt für so einen Essay mit dem seltsamen Titel „Der Kompass der Trauer“ kurz nach dem 7. Oktober nicht gerade günstig erschien, da der Schock so tief saß, war eh klar. Schlimmer sind darin die Verkürzungen Israels auf einen „Kolonialstaat“, einen „Apartheidsstaat“, die Butler umstandslos machte, ihre Ignoranz der Hamas als ganz eigenen, millionenschweren, kriegstauglichen Unterdrückungsapparat im Gaza-Streifen. Von Antisemitismus ist keine Rede darin, nicht von zweihundert Geiseln, nicht von dem Ziel vieler arabischer Gruppierungen und Staaten sowie dem Iran, Israel auslöschen zu wollen.

Legitimer Hamas-Angriff?

Und jetzt war der 7. 10. also kein terroristischer Angriff, keine antisemitische Attacke, sondern ein geradezu legitimer Angriff auf Israel, auf einen staatlichen Unterdrückungsapparat? Legitim auch die Geiselnahme als Widerstandsakt?

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Man muss da wohl von gefährlicher Verharmlosung, gar Beschönigung sprechen, von nicht nur punktuellen Irrlichtern. Man könnte Butler ja reden lassen. Doch bei ihrer Prominenz, ihrem Renommee finden ihre Äußerungen nicht nur mehr bei der postkolonialen Linken Widerhall, sondern werden in einem sowieso schon schwer zerrissenen Kulturbetrieb nachgeplappert, kontextlos. „Widerstand trifft häufig auch nicht legitime Ziele“ kann man da in einem Eintrag der Kulturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und langjährigen Klagenfurt-Bachmannpreis-Jurorin Mithu Sanyal auf Facebook lesen. Vom „bewaffneten Widerstand“ zur Heroisierung, gar Glamourisierung der Hamas ist dann nur noch ein kurzer Weg.

Zum Abschluss ihres Essays „Der Kompass der Trauer“ wünschte Butler sich eine Welt, die sich der „Normalisierung der Kolonialherrschaft“ widersetze und sich für die „Selbstbestimmung und Freiheit der Palästinenser“ einsetze. Dafür bräuchte es „ungezähmte Narren, die sich zu organisieren wissen.“ Um wieviel besser klingt da der Wunsch eines David Grossmann nach dem 7.1.0.: „Möge es uns – denen, die sich weigern Kollaborateure der Verzweiflung zu sein – gelingen, die gesunden Kräfte in beiden Gesellschaften von Neuem zu etablieren und zu stärken.“

Vor den Narren einer Judith Butler und ihrer Ungezähmtheit sollte man sich eher fürchten.

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