US-Präsident Trump brüskiert noch in den letzten Stunden seiner Amtszeit: Bevor die Übergabe-Zeremonie an seinen Nachfolger Biden stattfindet, flog der Republikaner per Hubschrauber weg. Trump sprach von “unglaublichen vier Jahren”.

Wenige Stunden vor der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Joe Biden hat der scheidende Amtsinhaber Donald Trump das Weiße Haus verlassen. Trump und die First Lady Melania Trump hoben am Morgen an Bord des Präsidentenhubschraubers Marine One vom Weißen Haus aus in Richtung des Militärflugplatzes Andrews ab.

Dort angekommen, sagte der 74-Jährige, seine Regierung habe “unglaubliche Dinge” geleistet. Trump versicherte seinen Anhängern, immer für sie da zu sein. “Wir lieben euch. Wir werden wiederkehren – in irgendeiner Form.” Er habe “unglaubliche vier Jahre” verbracht. “Es war die Ehre meines Lebens.” Er wünschte der neuen Regierung viel Glück, ohne seinen Nachfolger beim Namen zu nennen.

Mittlerweile sind Trump und seine Frau Melania mit der Regierungsmaschine Air Force One unterwegs nach Palm Beach im Bundesstaat Florida, wo sein Club-Resort Mar-a-Lago liegt. Der Republikaner äußerte sich bislang nicht zu seinen Zukunftsplänen.

Notiz im Oval Office hinterlassen

Die Sender Fox News und CBS berichteten, dass Trump eine Notiz für seinen Amtsnachfolger im Oval Office des Weißen Hauses hinterlassen habe. Der Inhalt ist unbekannt. US-Präsident Ronald Reagan hatte 1989 die Tradition begründet, dem Amtsnachfolger ein Schreiben im Oval Office zu hinterlegen.

Joe Biden und die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris sollen um 12 Uhr Ortszeit vereidigt werden. Die ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton haben ihre Teilnahme zugesagt.

Trump ist der erste US-Präsident seit 1869, der der feierlichen Amtseinführung seines Nachfolgers vor dem Kapitol in Washington fernbleibt. Seine Anwesenheit bei der Zeremonie entspräche den politischen Gepflogenheiten, sie hat aber keine rechtliche Auswirkung. Biden wird auch ohne den Amtsvorgänger als neuer Präsident vereidigt. Die Teilnahme an der Vereidigung steht allerdings symbolisch für eine friedliche Machtübergabe. Trump hatte sich im Wahlkampf geweigert, eine solche zuzusagen.

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Vize Pence nimmt an Zeremonie teil

Trump hatte bereits am 8. Januar angekündigt, dass er an Bidens Vereidigung nicht teilnehmen werde. Biden hatte das eine “gute Sache” genannt und gesagt, in dieser Frage seien Trump und er ausnahmsweise einer Meinung. Zugleich betonte Biden, dass der scheidende Vizepräsident Mike Pence willkommen sei.

Pence und die scheidende Second Lady Karen Pence wollen denn auch an der Zeremonie teilnehmen. In seiner Antrittsrede will Biden seinen scheidenden Vorgänger kaum erwähnen, sondern vielmehr in die Zukunft blicken. Das teilten zwei ranghohe Vertreter des künftigen Kommunikationsteams im Weißen Haus mit.

Umfragewerte im Keller

Trump hatte seine letzten Stunden im Amt genutzt, um mehr als 70 Personen zu begnadigen, darunter seinen Ex-Chefstrategen Steve Bannon, wie das Weiße Haus mitteilte.

Trump scheidet nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage des Senders CNN mit den schlechtesten Umfragewerten seit seinem Einzug in das Weiße Haus aus dem Amt: Nur noch 33 Prozent äußerten sich demnach positiv über ihn. Der Republikaner war auch in den eigenen Reihen massiv in die Kritik geraten, als seine Anhänger vor zwei Wochen das Kapitol stürmten. Ihm könnte wegen “Anstiftung zum Aufruhr” ein erneutes Impeachment drohen, an dessen Ende eine lebenslange Ämtersperre stehen könnte.

Trump hatte bis zum Sturm auf das Kapitol versucht, Bidens Wahlsieg noch zu kippen. Der Republikaner sieht sich durch Wahlbetrug um den Sieg gebracht. Klagen gegen die Wahlergebnisse in verschiedenen Bundesstaaten scheiterten jedoch. Bislang hat Trump seinem Nachfolger nicht zum Wahlsieg gratuliert.



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